Cafés in Saigon – Die gut versteckten Oasen von Ho-Chi-Minh-City

Okay, zugegeben: Saigon ist keine Schönheit. An manchen Ecken stinkt es. Der Verkehr ist erdrückend. Der Smog legt die Stadt regelmäßig unter einen grauen Schleier und Nachts wird man von nervigen alten Männern auf klapprigen Motorrädern angesprochen, ob man auf der Suche nach “Bumbum” sei.

Weiß Gott, es gibt entspanntere Orte, als die Straßen dieser wundervoll-schrecklichen Stadt. Aber ich liebe diesen Ort. Das Chaos seiner Straßen entspannt mich. Die Gelassenheit seiner Menschen steckt mich an.

Wer bei Café-Kultur nur an Wien oder Paris denkt, der hat sich noch nicht gründlich genug in Saigon umgesehen. So laut die Straßen hier sein mögen, so dreckig und überflüssig das Backpacker-Viertel Bui-Vien, desto toller ist, was hinter den Kulissen geschieht.

Ich habe schon einmal über die Kaffeekultur in Vietnam geschrieben, damals ging es aber um Hanoi. Saigon toppt jedoch alles. Diese Stadt hat einige der schönsten Cafés und Ruheoasen, die ich je entdeckt habe. Kein Wunder: Bei so viel Chaos auf den Straßen, muss man ja irgendwo zur Ruhe kommen.

Dem Vietnamtouristen, der nur nach dem Strandurlaub mal für drei Tage durch die Straßen Saigons zieht, wird diese Oasen nicht entdecken. Zu sehr ist man geflashed vom Verkehr und vom Trubel in den Touristenecken.

Am besten machst du einen großen Bogen um das Backpackerviertel und ähnliche Gegenden. Mit Saigon hat das nämlich relativ wenig zu tun. Gehe lieber los auf eine Entdeckungstour durch die Ruheoasen der Stadt.

Saigon macht übrigens meiner Meinung nach nur so richtig Spaß auf dem Rücken eines Motorrollers. Zu Fuß gehen ist hier wirklich wenig erfreulich und jeder noch so kleine Laden bietet Rollerparken direkt vor der Tür an.

Trotzdem möchte ich hier keinem dazu raten, sich (illegalerweise) einen Roller zu leihen *hust*. Das ist viel zu gefährlich und man benötigt zudem eine vietnamesische “Driver Licence”. Ich denke, du weißt schon selbst, was gut für dich ist. Egal also, ob zu Fuß oder motorisiert, bei deinem nächsten Saigon-Besuch solltest du in den folgenden Cafés mal vorbei schauen.

L’Usine

L’Usine ist mit Abstand der geilste Laden der Stadt und hat zwei Filialen. Eine liegt an der Le Loi und die andere direkt an der Dong Khoi, nicht weit vom Opernhaus. Der Laden an der Dong Khoi ist etwas größer, aber am Le Loi gibt es noch einen Store, in dem sich auch ein Besuch lohnt.

Das L’Usine ist das Zuhause der Kreativen und Modebewussten. Hier sieht man in Distrikt 1 so ziemlich die Leute mit den besten Outfits, also lass dein Singha-Tanktop besser im Koffer.

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M2C Café

Das M2C Café ist mein Favorit, wenn es ums Arbeiten geht. Hier ist die Webworker-Dichte relativ hoch und man sieht viele Leute, die ihre Nase in einen Macbook stecken. Im M2C empfehle ich dir den Matcha-Tee. Am besten ungesüßt bestellen. Das M2C ist direkt gegenüber vom Kriegsmuseum.

Mittags wird es hier relativ voll, weil die ganzen Bürobienen hierher zum Mittag ausschwirren. Aber morgens und nachmittags hat man sehr viel Platz für sich. Fun Fact: Das M2C Café gehört den selben Eigentümern, denen auch das id Café gehört. Beim M2C haben sie sich noch ein wenig kreativer ausgelebt, was das Interior angeht.

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ID Café

Das id Café gibt es auch zweimal, und zwar in Distrikt 1 und 3. Das Café in Distrikt 1 liegt keine 50 Meter von der Ben Thanh Markthalle entfernt. Unten gibt es nur wenige Plätze, also am besten gleich die Treppe nach oben nehmen. Du kannst dich auch draußen auf den Balkon setzen und von dort entspannt den Verkehr beobachten. Im id Café schmeckt mir das Banh Mi Sandwich mit Hühnchen am besten.

Ganz nebenbei: Ich bin übrigens einige Nächte im direkt daneben gelegenen Hong Hac Hotel untergekommen. Nix schickes, aber einfach sehr nette Leute vom Türmann bis zum Frühstücksservice und eine gute Lage! Reicht manchmal auch völlig. Es ist vor allem in Saigon sehr praktisch, wenn man nur aus der Tür fallen muss und ein nettes Café benachbart ist.

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Mockingbird, Things, Banksy

Talking about hidden places? Dieses alte verwaiste Apartmentgebäude beherbergt gleich mehrere Cafés und ein paar wilde Modeboutiquen. Wer nicht weiß, welchen Eingang er oder sie nehmen muss, der wird diesen Ort niemals finden. Man muss eine Einfahrt zu einem alten Hinterhof hindurchgehen und dann das (etwas dunkel und unheimlich wirkende) erste Treppenhaus auf der rechten Seite nach oben nehmen.

Auf der ersten Etage liegen das Banksy und das Things Café. Der schönste Ort ist für meinen Geschmack aber die kleine Terrasse des Mockingbird Cafés in der vierten Etage. Einer dieser Orte zum Verlieben. Bring ein Buch mit und bleib den ganzen Nachmittag!

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La Rotonde

La Rotonde liegt ebenfalls in der ersten Etage. Der Eingang liegt ein bisschen versteckt und du musst eine steile Treppe nach oben nehmen. Vom großen Fenster hast du einen guten Überblick über die Ham Nghi, eine der größten Straßen der Stadt. Das Café wirkt ein wenig wie ein botanischer Garten aus dem 19. Jahrhundert und eignet sich am besten für einen Kaffeeplausch.

Zum Arbeiten kann man besser woanders hingehen. Essen kann man hier sehr gut. La Rotonde lohnt einen Besuch aber kann mit den anderen Cafés nicht ganz mithalten. Vermutlich denke ich so, weil Laptops hier nicht so gern gesehen sind. Aber das mag dich vielleicht nicht stören.

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Saigon ist ein Traum für Schleckermäuler und Coffee Addicts und wer in die Stadt kommt, sollte sich nicht gleich vom anfänglichen Kulturschock ausbremsen lassen. Lass dir Zeit, komm erstmal an, und begib dich dann auf Entdeckungstour. Diese Stadt hat viel zu bieten und bei den Cafés hört es noch lange nicht auf! Bald gibts noch mehr zu dieser schrecklich schönen Stadt.

5 Kommentare zu “Cafés in Saigon – Die gut versteckten Oasen von Ho-Chi-Minh-City”

  1. Hi Tim,
    warst Du beim id Café mal oben? Ist viel gemütlicher dort. Mein Highlight, was mich immer wieder dorthin gezogen hat: Iced Chocolate <3 (Okok, ist wahrscheinlcih nur für die Schoki-Junkies… ;-) )
    Liebe Grüße aus Chiang Mai,
    Carina

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